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"A lot of instruments that push luthierie this far do so at the expense of tone and usability. Not so the Gus. It simply rocks...big time!"
- Ben Bartlett Guitarist 2003 -
reviewing G1 Midi

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G1 Vibrato Review

Gus Guitars G1V


G1 Vibrato Source: Gitarre & Bass
Date: 01 March 2001
Reviewer: Heinz Rebellius

Die meisten britischen Gitarrenbauer produzieren langst nicht mehr so aufregende Gitarren wie früher. Eine Ausnahme ist jedoch die Firma Gus Guitars (speak: Gass), deren Instrumente nicht nur spektakulär aussehen, sondern mit innovativen und gleichermaßen praktikablen Ideen aufwarten.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Industrie-Designer in der Gitarrenwelt Aufsehen erregen. Schnittige Designs wie Gibsons Firebird und Thunderbird-Modelle, aber auch die Flying V-, Futura- und Explorer-Modelle waren direkt oder indirekt von Auto-Designern beeinflusst. Auch Ned Steinberger, der mit seinen ultrakleinen Karbongraphit-Gitarren und Bässen erst eine Menge Häme einstecken musste, ist eigentlich Industrie-Designer. All diesen Entwicklungen ist gemeinsam, dass sie ihrer jeweiligen Zeit weit voraus war. Aber heute dreht sich das Rad der Zeit nicht nur eine Idee schneller, und so ist es nicht verwunderlich, dass Guss-Gitarren zumindest in England bereits des Öfteren auf den Bühnen gesichtet werden. Und das, obwohl die Firma erst wenige Jahre existiert und kompromisslos ihren eigenen Stil durchzieht. Simon Farmer, der Boss von Gus, hat als Maxime ausgegeben, ein innovatives, individuelles Design mit einem eher traditionellen Spielgefühl und Klangverhalten zu kombinieren.

Konstruktion
Aus dem Gigbag schält sich in der Tat eine aufregende Mischung aus Chrom und Türkis! Nur hochglanzpolierter Acryllack kann neben dem Chrom solch eine durchschlagende optische Wirkung erzielen, und Gus Guitars hat nicht nur den Korpus, sondern gleich auch die Halsrückseite und die Kopfplatte mit diesem Lack behandelt, der unter
Klangpuristen nicht unumstritten ist. Die Kopfplatte selbst ist auf ein Minimum an Größe reduziert - nicht der einzige Seitenblick auf Parker-Gitarren - und ermöglicht den Saiten einen absolut geraden Verlauf zu den Gotoh-Mechaniken, deren kurze Schäfte im Zusammenspiel mit der leicht rückwärtigen Neigung der Kopfplatte die Saiten optimal in die Kerben des Graphit-Sattels drücken.

Das Cocobolo-Griffbrett ist in einem (modernen) Radius von 12 Grad gewölbt und ermöglicht zusammen mit der 25"-Mensur - ein Wert, für den sich z. B. auch PRS entschieden hat - eine flüssige, ungewohnt gewohnte Bespielbarkeit des Halses. Während der Hals aus Sumpfesche gefertigt ist, hat Simon Farmer bei der Konstruktion des Korpus ein wenig von Kollege Parker geliehen. Denn auch dieser verwendet einen Kern aus Holz mit einer Schale aus Karbonfiber. Bei der G1V sorgt die leichte Rote Zeder für den Holzanteil dieser modernen Konstruktion, während der komplette Rest der Gitarre inklusive des eingeleimten Halses von einer ca. 3 mm starken Schicht des künstlichen Materials überzogen ist und wie aus einem Gus (Sprich: Guss ...) wirkt. Keine Ecken, keine Kanten - alles so glatt wie ein Kinderpo.

Der Eyecatcher dieser Gitarre ist ohne Zweifel der aus einem verchromten Metallrohr bestehende Rahmen, der rückwärtig fest mit dem Korpuskern verschraubt ist. Dieser Rahmen ist nicht nur optisch ein Genuss, sondern zudem ergonomisch korrekt geformt. Er ermöglicht eine für die meisten Gitarristen perfekte Spielhaltung, sowohl im Sitzen als auch im Stehen.

Sieht man einmal von den Gotoh-Mechaniken und den Schalier-Straplocks ab, fertigt Simon Farmer alle Bauteile seiner Instrumente selbst an. So auch die Tonabnehmer - große Singlecoil-Typen in Lipstick-Optik. Im Gegensatz zu den meisten Tonabnehmern dieser Art, die nach Vintage-Vorgaben Alnico-Material einsetzen, verwendet Gus kräftige Keramik-Magneten für die Konstruktion der Pickups, deren Höhe von der Rückseite aus exakt eingestellt werden kann.

Geregelt wird mit Master-Volumen, Master-Tone und einem 6-fach-Drehschalter, der alle üblichen Sounds einer mit 3 Pickups bestrückten Gitarre ermöglicht, plus die Kombination Hals- und Steg-Pickup.

Auch die schweren, satt in der Hand liegenden Poti-Knöpfe dreht Mr. Farmer selbst in seiner Werkstatt - in der garantiert nicht wenige Stunden seines noch recht kurzen Lebens bei der Entwicklung seines Vibrato-Systems "drauf gegangen" sind. Denn dieses System ist mehr als gelungen, und das nicht nur optisch! Die Basisplatte liegt an zwei in ihrer Höhe verstellbaren Bolzen an, während die Saiten von unten eingehangen werden und über große, halbrunde Reiter laufen, die in ihrer Oktavreinheit von der Rückseite eingestellt werden können. 3 Federn, die an senkrecht nach unten führenden Messingpfosten hängen, ermöglichen das "Vibrieren". Und bewegt werden darf das System gerne und ausgiebig, denn die Verstimmung hält sich dank der geraden Saitenführung auf der Kopfplatte und des selbst schmierenden Graphitsattels in hervorragenden Grenzen.

Wer die Klinkenbuchse vermisst, sollte sie auf der Rückseite suchen. Dort sitzt sie, eingebaut in eine leichte Erhöhung, so dass das Kabel nach rechts oben weggeführt wird.


Praxis
Hängt die Gitarre einmal in Spielposition, vergisst man sofort, dass man es hier mit einem Stück "Modern Art" zu tun hat - denn diese Gitarre lässt sich unglaublich leicht spielen! Nicht nur, dass das Endgewicht moderat und zudem optimal verteilt ist, sondern auch die Art und Weise des Umgangs mit dieser Gefährtin fühlt sich gleich so vertraut an, dass Simon Farmer eine Menge Details einfach richtig gemacht haben muss.

Auch klanglich übrigens! Keine Spur von Sterilität, Metall-Untertönen und ähnlichem Vorurteilsgeplänkel. Die G1V ist erstaunlich laut und resonant und liefert eine brillant und an Höhen reich klingende Sound-Qualität - hier macht sich die Verwendung der Keramik-Magneten bemerkbar - mit einer Menge natürlichem Sustain. Klar, dass da die cleanen Sounds sehr überzeugend rüberkommen, in allen Pickup-Positionen, und dabei immer sehr musikalischdynamisch. Natürlich fangen auch diese Singlecoils konstruktionsbedingt einige Störgeräusche ein. Aber alle Kombinationsstellungen sind Humbucker-Schaltungen, so dass es genügend brummfreie Alternativen gibt.

Auch im verzerrten Kontext kann sich die G1V sehr gut behaupten. Sie hat hier eine Menge Biss und Draht, was immer von Vorteil ist, wenn es etwas dreckiger zugeht. Selbst HiGain-Einstellungen sind so transparent wie bei kaum einer anderen, von mir gehörten Gitarre zuvor.

Und der geschmeidige Umgang mit der G1V tut sein Übriges dazu, dieser Gitarre Licks und Moves zu entlocken, auf die man bei anderen Gitarren vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Resümee
Dieses G1V macht eine Menge Spaß- nicht nur durch das Aufsehen, das sie garantiert. Sie ist eine aufregend gestylte Gitarre, deren klangliche und spieltechnische Performance in keinem Fall hinter der Optik zurücksteht. Wer also meint, sich diese Gitarre nur für den nächsten Video-Clip anzuschaffen, hat entweder zu viel Geld, oder verkennt die wahren Qualitäten der G1V. Der Preis ist sehr hoch, das ist wahr. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass Gus nahezu alle Teile selbst herstellt und sich weiterhin aus Design-spezifischen Gründen beharrlich weigert, das Standard-Angebot fernöstlicher Hardware-Schmieden zu nutzen, dennoch gerechtfertigt. Außerdem: Wie soll man den Wert innovativer Ideen und individueller Design-Kunst monetär bewerten?

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